Mahlstein-Porträts

Hünenhacken

Hünenhacken werden heutzutage häufig als Trogmühlen bezeichnet. Das ist eine inkorrekte Bezeichnung.

Trogmühlen sind hochmittelalterliche Geräte zum Mahlen. Sie setzen sich aus einem runden, topfähnlichem Unterstein und einem Läufer (Oberstein) zusammen. Der Läufer wird in den Unterstein gesetzt. Besser wäre es solche Handmühlen als „Topf-Mühle“ zu bezeichnen, wie es im Englischen der Fall ist: pot quern.

Trogmühle

Für die großen, tief ausgehöhlten Steine, die immer als Trogmühlen bezeichnet werden, gibt es keine eigene Bezeichnung.

Ueber den Ursprung dieser Steine herrscht bei den Landleuten kein Zweifel. Sie waren ursprünglich vom Regen erweichte Thonklöße, in welche einer der Hünen, von denen vor Zeiten die Insel [Usedom] bewohnt wurde, mit dem hinteren Ende des Fußes getreten und den Eindruck der Hacke bis zur schmalsten Stelle der Fußsohle zurückgelassen hatte, später ist der weiche Thon verhärtet und versteinert.*

In Ermangelung einer genauen Bezeichnung, werden diese Steine vorläufig als HÜNENHACKEN bezeichnet.

Auch die Annahme, dass diese Steine zum Mahlen von Getreide genutzt wurden, muss in Frage gestellt werden.
Es sollte bedacht werden, dass sowohl in der Stein- als auch in der Bronzezeit keine Metalle zur Verfügung standen, mit denen die Rohgranite zu solchen Artefakten hätten bearbeitet werden können, weshalb sich die Frage stellt, ob es sinnvoll war, solche Steine für den alltäglichen Gebrauch herzustellen, wenn auch eine einfache Reibplatte für diese Tätigkeit ausreichend war.

Zu Beginn der 1930iger Jahre hat es auf den Shetland-Inseln Ausgrabungen auf einem mehrphasigen Siedlungsplatz, Jarlshof, gegeben, dessen Anfänge bis in die Steinzeit reichen. Während dieser Ausgrabungen wurden auch „Hünenhacken“ in situ freigelegt und immer befand sich neben diesen großen und tief ausgehöhlten Steinen Lehm und Muschelschalen, so dass angenommen wurde, dass diese Steine zur Lehmherstellung für die Keramikproduktion benutzt wurden.**

Wer mehr zu diesem Thema lesen möchte, dem schaue sich die Publikation „Das Mahlsteinmuseum Neu-Kleinow : Von Reibplatten, Handmühlen und Hünenhacken“ an.

*F.W. Ehrhart, Die Hünenhacken auf der Insel Usedom, in: Baltische Studien 1858, S.13-16

**A.O. Curle, An account of further excavation at Jarlshof, Sumburgh, Shetland, in 1932 an 1933, on behalf of H. M. Office of Works, in: Proceedings of the Society of Antiquaries of Scotland / National Museum of Antquities of Scotland, 1934, S. 224-319

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Stein 107 der Mahlsteinsammlung in Neu Kleinow

Diesen Stein als Mühlstein zu bezeichnen, wäre nicht ganz richtig, aber dazu später.
Betrachtet man den Stein von allen Seiten, so ist festzustellen, dass er nicht liegend, sondern stehend genutzt wurde: Der Umfang des Steines ist seine Arbeitsfläche.

Steindaten:
Material: Sandstein
Steindurchmesser: 45.5 cm
Steinstärke: 15 cm
Lochdurchmesser: 26 cm
Lochtiefe: 14 cm
Auffällig sind die vier Aussparungen, die sich nur auf der Vorderseite des Steines befinden.

Die Maße in cm dieser Aussparungen sind folgende:
Aussparung 1: L 7.5, B 11, T 1; R1 4.5 (abgebrochen)
Aussparung 2: L 6, B 11, T 1; R2 5 (abgerieben)
Aussparung 3: L nicht erhalten, B 11, T 2; R3 nicht erkennbar
Aussparung 4: L 8, B 10, T 2-4; R 6.5 (erhalten)

Wie unschwer zu erkennen, sind die Aussparungen kreuzförmig angeordnet, diese Aussparungen nehmen die Haue (Mitnehmereisen oder Treiber) des Mühleisens auf, an dem das Mühlenkreuz befestigt wird.
Mit Hilfe eines Mühlenkreuzes kann dieser Stein entweder einzeln angetrieben werden oder er wird mit einem zweiten eben solchen Stein mit Hilfe des Mühlenkreuzes verbunden, so dass beide Steine gemeinsam angetrieben werden können.

Wie werden solche Steine angetrieben?
Mit menschlicher Muskelkraft wohl kaum. Neben Tieren, welche die Steine in Schwung bringen, kann und wurde in der Regel ein Göpelwerk benutzt, welches auch von einem Tier angetrieben wurde.

Das Göpelwerk
Ein Göpelwerk ist ein mechanisches Getriebe, welches sich aus mehreren Zahnrädern zusammensetzt und durch die Kraftübertragung auf das Mühlenkreuz die Steine ins Rollen bringt. Göpelwerke wurden noch in der Nachkriegszeit im ländlichen Raum eingesetzt, nicht nur um Mahlsteine anzutreiben, sondern auch Dresch- und Häckselmaschinen. Göpelwerke hatten damals den großen Vorteil, dass mit ihnen unabhängig von elektrischem Strom gearbeitet werden konnte, da eine kontinuierliche Stromversorgung nicht gewährleistet war. Damit sich das Göpelwerk in Bewegung setzen konnte, waren in der Regel Pferde notwendig, die von einer Person im Kreis geführt wurden, um wiederum den Göpel in Bewegung zu halten.

Nutzung
Eingesetzt wurden Mühl- oder Mahlsteine, die stehend liefen, um Samen zu Öl oder zu Farbpulver zu zerquetschen, genutzt wurden solche Mahlsteine auch um Erze, Steine und Papierrohstoffe zu zermahlen.

Der Kollergang
Der Arbeitsvorgang von einem oder zwei stehenden Mahlsteinen, die in einer zumeist runden Wanne oder auf einer Bodenplatte laufen, wird Kollergang genannt.

Skizze eines Kollergangs von Hans Benthin, Berkholz

Der Prozess des Mahlens ist immer an zwei Steine gebunden:
Einem unbeweglichen Unter- oder Bodenstein und einem beweglichen Oberstein, der in der Regel Läufer genannt wird.

Die Abnutzungsspuren auf dem hier vorgestellten Exemplar zeigen deutlich, dass der Stein auf seinem Umfang lief, aber auch eine sekundäre Verwendung des Steines als Schleifstein kann nicht ausgeschlossen werden.

Der Stein 107 in der Neu Kleinower Sammlung ist ein Kollergang-Läufer.

Und wer sich einen besonders großen Kollergang-Läufer ansehen will, der statte der Boitzenburger Klostermühle einen Besuch ab. Der dortige Kollergang-Läufer weist auf seinem Umfang auch noch eine Schärfung auf.